„Gewalt gegen Frauen nimmt zu.“ Diese Schlagzeile ist eine politische Anklage. Sie zeigt nicht nur individuelles Leid, sie zeigt politisches Versagen. Jeden Tag werden Frauen in Deutschland Opfer von Gewalt.

308 Frauen wurden im Jahr 2024 getötet. 191 davon durch Partner, Ex-Partner oder Familienmitglieder. Das sind keine Einzelfälle. Das ist ein strukturelles Problem. Noch erschütternder, neun von zehn Fällen häuslicher Gewalt werden nicht angezeigt. Die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Und selbst diese Daten machen deutlich, dass die Realität in unserem Land weit weniger emanzipiert ist, als wir alle gerne behaupten. Wir sehen eine gefährliche Rückkehr zu überholten Rollenbildern. Ein Verständnis von Männlichkeit, das Besitzansprüche legitimiert und Gewalt rechtfertigt. Diese Denkmuster sind nicht nur frauenfeindlich, sie sind verfassungsfeindlich. Sie untergraben die Menschenwürde, die unser Grundgesetz jedem Menschen gleichermaßen garantiert. Wer Frauen missachtet, greift die Grundlagen unserer Demokratie an.
Deshalb müssen wir klar sagen: Frauen haben Anspruch auf Respekt, auf Schutz – und auf einen Staat, der das durchsetzt. Politische Untätigkeit können wir uns nicht länger leisten. Wir brauchen endlich eine konsequente Finanzierung von Frauenhäusern, stärkere Präventionsprogramme, verpflichtende Täterarbeit, eine Beschleunigung von Strafverfahren um Betroffene ernst zu nehmen und zu schützen.
Denn wie die Bundesfamilienministerin Karin Priem gesagt hat: Viele Frauen schweigen aus Angst oder Scham. Doch eigentlich müsste sich die Gesellschaft schämen. Und auch die Politik, wenn sie nicht handelt. Was können wir tun? Wir können sichtbar an der Seite der Frauen stehen die jeden Tag Gewalt erleben. Wir können politische Rahmenbedingungen schaffen die Schutz nicht zur Glückssache machen. Und wir können dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft endlich versteht: Gewalt gegen Frauen ist kein Randthema. Es ist eine Frage der Menschenrechte. Eine Frage der Demokratie. Eine Frage des politischen Willens. Und es ist Zeit, diesen Willen zu zeigen.

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